Netz teurer, Steuer billiger – was 2027 fürs Laden zu Hause übrig bleibt

Die Stromnetzentgelte steigen 2027 im Schnitt um 1,9 Prozent, in Hamburg um 9 Prozent. Gleichzeitig will die CDU die Stromsteuer für Haushalte auf das EU-Minimum senken. Beschlossen ist das noch nicht. Was beides für die Wallbox am eigenen Stellplatz bedeutet.

Netzentgelte: leichter Anstieg, große regionale Unterschiede

Das Vergleichsportal Verivox hat am 19. Oktober die vorläufigen Netzentgelte für 2027 ausgewertet. Die bisher erfassten Netzbetreiber decken 84 Prozent der Haushalte ab. Ergebnis: Die Stromnetzentgelte steigen bundesweit um durchschnittlich 1,9 Prozent.

Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das laut Verivox rund 8 Euro brutto mehr im Jahr. Die durchschnittlichen Netzkosten steigen von 428 auf 436 Euro brutto.

Regional ist die Spanne groß: Hamburg legt um 9 Prozent bzw. 52 Euro zu, das Saarland und Berlin um je 8 Prozent. In Thüringen (minus 3 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (minus 1 Prozent) sinken die Entgelte. Für Hessen nennt Verivox keinen eigenen Wert. Wie sich Ihr Netzentgelt entwickelt, hängt vom örtlichen Netzbetreiber ab.

Ein Grund für den Anstieg: Der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten sinkt von 6,5 Milliarden Euro (2026) auf 5,525 Milliarden Euro (2027).

Stromsteuer: ein Plan, noch kein Gesetz

Die CDU hat nach einer Klausur ihres Präsidiums erklärt, Spielräume im Haushalt für eine Senkung der Stromsteuer für alle Verbrauchergruppen nutzen zu wollen. Für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft gilt der europäische Mindestsatz bereits seit Jahresbeginn.

Für Haushalte würde die Stromsteuer nach Angaben des Branchenverbands BDEW von derzeit 2,05 auf 0,1 Cent je Kilowattstunde sinken. Der BDEW begrüßt den Vorstoß und fordert die Bundesregierung zur zügigen Umsetzung auf. Wichtig: Stand heute ist das eine politische Absicht. Ein Beschluss und ein Termin stehen aus.

Rechenbeispiel: Wallbox mit 2.500 kWh im Jahr

Was hieße das für das Laden zu Hause? Eine vereinfachte Rechnung mit klar benannten Annahmen:

  • Annahme: Das E-Auto lädt 2.500 kWh pro Jahr an der eigenen Wallbox (eigene Annahme, je nach Fahrleistung und Fahrzeug).
  • Annahme: Die Steuersenkung kommt wie vom BDEW beschrieben und wird vollständig an Haushalte weitergegeben. Auf die Stromsteuer fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an.
  • Ersparnis: 1,95 Cent netto je kWh, mit Mehrwertsteuer rund 2,3 Cent. Bei 2.500 kWh sind das rund 58 Euro im Jahr.

Zum Vergleich: Der Netzentgelt-Anstieg macht laut Verivox für den gesamten 4.000-kWh-Haushalt im Schnitt rund 8 Euro aus. Kommt die Steuersenkung, bliebe unterm Strich voraussichtlich eine spürbare Entlastung. Kommt sie nicht, bleibt der leichte Anstieg. Ob und wann Versorger Änderungen weitergeben, entscheidet jeder Anbieter selbst.

Zur Einordnung: Laut BDEW zahlen Haushalte bei Neuverträgen derzeit im Schnitt 38,9 Cent je kWh. Davon entfallen 9,2 Cent auf Netzentgelte und 12,9 Cent auf Steuern, Abgaben und Umlagen.

Was Sie jetzt tun können

Unabhängig von der Politik lohnt ein Blick auf den eigenen Tarif und die Technik. Bei Wohnungseigentümergemeinschaften, Firmenparkplätzen und Hotels kommt die Frage dazu, wie der Ladestrom gemessen und fair abgerechnet wird.

Wenn Sie im Main-Taunus-Kreis oder im Rhein-Main-Gebiet eine Wallbox oder eine Ladelösung für mehrere Stellplätze planen, beraten wir Sie gerne zu Technik, Abrechnung und Kosten: Beratung bei e-MOTION.world anfragen.

Quellen

  • Verivox: „Netzentgelte für Strom und Gas steigen 2027 leicht an – große regionale Unterschiede“, 19.10.2026, verivox.de
  • BDEW: „Stromsteuersenkung für alle Verbrauchergruppen bringt Entlastung und verringert fossile Abhängigkeiten“, 13.10.2026, bdew.de